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radfahren auf sardinien

Italien mit dem Rad: Ein Reisebericht über das Radfahren auf Sardinien

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Wenn man von Italien spricht, denken die meisten an schmackhafte Pasta, robuste Espresso, architektonische Wunder, die die Jahrhunderte überdauert haben, die Toskana oder den Gardasee. Doch Italien bietet viel mehr als das. Für diejenigen, die die Welt gerne auf zwei Rädern erkunden, bietet besonders Sardinien ein Fenster zu einer faszinierenden Welt, die weit über die typischen Touristenpfade hinausführt.

Autorin Sina
Reisespezialistin Sina erzählt von Ihrer ersten Radreise auf Sardinien.

Aussicht über Cagliari

Die Ankunft und erste Begegnungen mit Sardinien

Sardinien, eine Perle im Mittelmeer, ist die zweitgrößte Insel im Mittelmeer und eine Welt für sich. Mit Ihrer vielfältigen Landschaft, die von den schroffen Bergen bis hin zu den weich geschwungenen Hügeln und atemberaubenden Küstenabschnitten reicht, ist die Insel ein Traum für Radfahrer. Meine Radreise auf Sardinien begann in der Hauptstadt Cagliari. Schon bei der Landung war ich beeindruckt von der Schönheit der Insel. Die warme Mittelmeerluft, das kristallklare Wasser und die herzliche Gastfreundschaft der Sarden waren überwältigend. Bevor die Reise mit unserem Drahtesel starten sollte, haben wir uns die Zeit genommen und bei einer Stadtführung die Architektur und Kultur der Stadt kennen zulernen.

Eine Insel entdeckt man am besten auf dem Fahrrad

Meine eigentliche Radreise in Italien begann am zweiten Tag. Nach einem stärkenden Frühstück, wurden wir in unserem Hotel in Cagliari abgeholt und gemeinsam mit unserem Fahrrad an die Südwestküste nach Nebida gebracht. Der Startpunkt unserer ersten Radetappe. Nachdem die Fahrräder an unsere Größe angepasst wurden und wir eine kurze Einführung erhalten haben, konnte unser Fahrradabenteuer schon losgehen. Mit dem ersten Tritt in die Pedale fühlte ich mich sofort verbunden mit der rauen und zugleich traumhaften Landschaft Sardiniens. Die Route entlang der Costa Verde war gesäumt von grünen Pinienwäldern und Macchia. Schon nach kurzer Zeit erwartete uns auch der erste Anstieg und der Weg führte uns durch die grünen Hügel und gelegentlich konnten wir auch einen Blick auf das Meer erhaschen.

Frau mit Fahrrad auf Sardinien
Sardinien Küstenweg

Radtouren entlang der Küste: Ein Traum für jeden Radfahrer

Fahrrad fahren auf Sardinien bedeutet, sich auf kurvigen Küstenstraßen zu winden, während man einen Panoramablick auf das azurblaue Meer genießt. Idyllische Buchten und malerische Dörfer bieten sich perfekt für kurze Pausen und Foto-Stopps an. Jeder Kilometer entlang der Küste offenbarte neue Highlights, von versteckten Stränden bis hin zu historischen Wachtürmen. Bei den verschieden Radtouren gibt es vieles zu entdecken. Am Nachmittag ging es für uns mit der Fähre und einem kurzen Zwischenstopp in Carloforte nach Sant’Antioco unser Zielort für den zweiten Tag.

Inselcharme und Traumbuchten vor Sardinien

Sant’Antioco ist eine relativ kleine Inseln, weshalb man die gesamte Insel bequem an einem Tag erkunden kann. Es gibt viele Buchten auf dem Weg für ein Picknick oder um sich an warmen Tagen etwas abzukühlen. Kurz nach dem Start unserer zweiten Radtour fing es an zu regnen und wir suchten in einem kleinen Café in Calasetta Unterschlupf, es dauerte eine Weile, bis der Regenschauer weitergezogen ist und wir hatten kurz überlegt unsere Radtour für den heutigen Tag abzubrechen. Doch dann kam die Sonne raus und wir radelten weiter landeinwärts entlang einer fantastischen Landschaft mit einigen archäologischen Stätten. Zum Ende der Tour wurde es dann nochmal richtig anstrengend und wir kamen ordentlich ins Schwitzen. Zum einen, weil die Sonne nochmal alles gegeben hat und nirgendwo Schatten war und zum anderen, weil wir in meinen Augen, einen endlosen Hügel steil bergauf mussten. Das war der erste Moment, wo meine Radreise zur Wanderreise wurde. Doch oben angekommen, wurden wir mit einem tollen Ausblick auf die umliegende Landschaft belohnt, bei der man an klaren Tagen sogar bis Portovesme blicken kann. Die Abfahrt anschließend zurück nach Sant’Antioco, war sehr entspannt und wir konnten die schöne Landschaft weiterhin genießen.

Frau auf Küstenweg auf San Antioco
Ein Fahrrad, ein Weg und unzählige Erinnerungen
Ein Highlight des Radfahrens auf Sardinien war der Weg von Sant’Antico zurück zum „Festland“. Über einen Damm, mit Blick aufs Meer und Lagunen ging es für uns in das verlassene Dorf Tratalias Vecchia. Die verlassenen Gebäude und Häuser wirkten schon etwas gespenstisch auf uns, weshalb wir nach einer kleinen Rast vor der Kirche S. Maria de Monteserrat unsere Fahrt fortsetzten. Die Etappe führte uns wieder durch eine hügeligere, eher weniger beeindruckenden Landschaft und endete schließlich in einem traumhaften Naturschutzgebiet. Entlang einer Wasser- und gelegentlich sumpfigen Landschaft konnten wir die dort lebende und für die Region bekannte Flamingo Kolonie beobachten. In Porto Pino angekommen, haben wir unsere Drahtesel an unserer Unterkunft abgestellt und haben uns erstmal auf dem Weg zum Strand gemacht. Dort angekommen wurden wir von einer Horde Kitsurfer begrüßt, für die das, im Oktober doch etwas rauere Meer und der Wind, optimale Bedingungen zum Surfen bietet.
Cappuccino

Die Herausforderungen und Belohnungen des Radfahrens auf Sardinien

Nicht jeder Tag war einfach. Das Wetter auf Sardinien, besonders im Herbst, kann gnadenlos sein und die Topographie der Insel stellt mitunter eine Herausforderung dar. Die durchaus sehr steilen Anstiege testeten meine Ausdauer, doch die Abfahrten waren die Belohnung und jede Kurve offenbarte eine neue, atemberaubenden Aussicht auf die Küste und das Meer auf der einen Seite und das sattgrüne Inland auf der anderen Seite. Auch das leckere Abendessen, welche uns täglich in unseren Übernachtungsorten erwartete war Motivation für uns auch den höchsten Berg mit unseren Rädern, wenn manchmal auch zu Fuß, zu erklimmen. Denn jeder Tag auf Sardinien war auch eine kulinarische Entdeckungsfahrt. Ob es die Pausen für einen Cappuccino und ein Stück Pecorino Käse waren oder ein Abendessen mit sardischem Wein, den berühmten Culurgiones oder klassisch einer Pizza – jede Mahlzeit war ein Fest für die Sinne.

Ausrüstung und Weggefährten

Ein zuverlässiges Rad war mein ständiger Begleiter auf dieser Reise. Radfahren auf Sardinien bedeutet auch, sich auf unterschiedliche Geländearten einzustellen. Wir befuhren hauptsächlich Asphaltstraßen, aber auch unbefestigte Sand- und Schotterwege begegneten uns immer wieder mal. Durch die zurückzulegenden Höhenmetern ist daher eine gute Gangschaltung wichtig, damit die teils sehr steilen Anstiege gut bewältigt werden können. Des Weiteren ist auch eine robuste Bereifung für die Abfahrten essenziell. Wir hatten uns für die Reise für ein 21-Gang-Tourenrad entschieden, welches mich doch das ein oder andere mal an meine Grenzen brachte. Aus diesem Grund würde ich die Reise beim nächsten Mal mit einem E-Bike empfehlen, so kann man sich auch dem teilweise recht starken Gegenwind besser widersetzen.

Tourenbikes auf Sardinien

Abschied von Sardinien – aber nur für jetzt

Nach einer Woche, ca. 212 Kilometer und unzähligen unvergesslichen Eindrücken, wurde es langsam Zeit, Abschied zu nehmen. Als sich meine Reise dem Ende zuneigte und ich meine letzte Tour beendete, wusste ich, dass ein Teil meines Herzens auf Sardinien bleiben würde.
Das Radfahren auf Sardinien war für mich mehr als nur eine sportliche Betätigung, es ist eine Art zu reisen, die Sinne, Seele und Körper vereint. Die Insel bietet eine Vielfalt, die mit jedem Tritt in die Pedale spürbar wird. Eines ist sicher: Ich werde zurückkehren, denn wer einmal die Freiheit auf zwei Rädern hier erlebt hat, der wird immer wieder zurückkehren wollen, um neue Pfade zu erkunden und die alten Erinnerungen aufzufrischen. Mein Tipp, für diejenigen, die diese wunderschöne Insel selbst auf zwei Rädern erleben möchte, vergesst nicht: Nehmt euch Zeit, lasst die Umgebung auf euch wirken und genießt jede Sekunde – Sardinien ist es wert!

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