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Richtiges Verhalten in den Bergen – Was sollten Sie beachten?

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Fragen über Fragen

Kennen Sie das Gefühl, komplett aus der Komfortzone rauszugehen und nicht zu wissen, was einen erwartet?

Genau so stand ich vor circa sieben Jahren als Flachlandtiroler da: mit der Idee eines Hütten Trekkings in den Alpen – ohne jegliche Bergerfahrung. Um mich einzulesen, habe ich mir das „Hüttentrekking Buch für die Ostalpen“ gekauft und hatte danach mehr Fragezeichen vor dem Kopf als zuvor. Na bravo!

Fragen wie: „Welche Route kann ich mir zutrauen?“, „Was heißt ‘Trittsicherheit‘?“, „Was bedeutet ‘durch ein Stahlseil gesichert‘?“, „Was mache ich bei schlechtem Wetter?“, kamen auf und dann die größte Frage: „Wie verhalte ich mich überhaupt in den Bergen?“.

Damals habe ich nach längerer Recherche eine für mich passende Route gefunden und mein erstes mehrtägiges Hütten Trekking war ein voller Erfolg bei bestem Wetter.

Während dieser und zahlreicher folgender Touren (egal ob mehrtägig oder Tagestour) durfte ich lernen, welche ungeschriebenen Regeln, für richtiges Verhalten, in den Bergen gelten. Bei uns daheim auf dem flachen Land sagt man ironischerweise, ‘dass wir sehen können, wer übermorgen zu Besuch kommt‘ Tja, das ist dann in den Bergen etwas anders …

Autor Leon
Stefanie hat schon viel Zeit in den Bergen verbracht und gibt Ihnen Tipps für das richtige Verhalten

Die richtige Ausrüstung

Zunächst aber mal von Anfang an: das A und O ist natürlich eine gute Ausrüstung: neben ausreichend Wasser und Sonnenschutz sind bequeme Wanderschuhe und -kleidung wichtig. Bei meiner dritten Hüttentour habe ich das erste Mal Wanderstöcke genutzt und was soll ich sagen: ein Traum in Bezug auf „mehr Sicherheit“ am Berg. Selbstverständlich ist das auch eine Typfrage, ob man sie nutzt oder nicht.

Selbsteinschätzung in den Bergen

Nicht unwichtiger als eine gute Ausrüstung ist die richtige Einschätzung der eigenen Kondition und des Tempos. Ich selbst sehe mich als sportlich: gehe regelmäßig joggen, spiele Tennis und radel und … in den Bergen ist dann alles anders jedes Mal „muss“ sich mein Körper an das Auf und Ab gewöhnen und im besten Fall findet sich ein Schritt, in dem ich im Flow bin und in einem stetigen Tempo – meiner Kondition entsprechend – die Berge rauf und runter kraxle. Und wenn es nicht mehr geht: ehrlich zu sich sein (auch wenn das schwer fällt) und die Tour zeitnah auf eine sanfte Art beenden. Mir ist das bei meinem 2. Trekking passiert: Dauerregen und Halsschmerzen von Anfang an und an der 2 Hütte wurde uns gesagt, dass es am nächsten Tag auf unserer geplanten Route schneien sollte. Da war für mich klar: Gesundheit und Sicherheit gehen vor und wir gehen auf einem anderen Weg runter ins Tal. Unten angekommen war übrigens purer Sonnenschein und die Halsschmerzen waren weg – das musste wohl so sein.

Das Wetter im Auge behalten

Um solchen Gefahren wie Schneefall, Gewitter, ein Wetterumschwung oder ähnliches zu vermeiden, ist mein persönlicher Tipp, sich vorab über die Wetterlage zu informieren. Ob unten im Tal z.B. bei der Unterkunft oder der Touristeninformation – oder auf der Hütte bevor das Trekking morgen weitergeht. Gerade auf der Hütte ist die Wetterinformation sehr wichtig für die nächste Tagesplanung: macht es vielleicht Sinn, eine Stunde früher aufzustehen und vor dem gemeldeten Gewitter am Nachmittag sicher auf der nächsten Hütte oder im Tal zu sein? Und wenn gar nichts geht wegen dem Wetter: die Hütten weisen niemanden ab.

Planung ist alles

Apropos informieren: nicht nur über das Wetter sollte man sich informieren, sondern auch über die Strecke und Länge der Etappe – täglich auf’s Neue. Wir haben immer unterwegs Wanderkarten dabei (ja genau, die Papier-Dinger;) und schauen uns jeden Abend die nächste Etappe mit Auf- und Abstiegen, Höhenmetern, etc. an. So können wir den kommenden Tag und damit die Dauer der Etappe besser einschätzen. Bestes Beispiel war letztes Jahr während der Wanderung: der nächste Tag sagte 30km und 3.000 Höhenmeter an – das war selbst mit bestem Optimismus nicht zu schaffen. So kamen wir – mit Hilfe anderer Wanderer – auf die Idee, ein Teilstück mit dem Bus zurückzulegen. Grandios!

Bewahren Sie die Ruhe

Und sollte – warum auch immer – die Situation eintreten, dass man in ein Gewitter kommt, abrutscht, der Wasservorrat ausgeht oder oder oder: Ruhe bewahren. Ja, es ist sicherlich einfacher gesagt als getan und Gott sei Dank bin ich selbst noch nie in solch eine Situation gekommen. Was hilft: sich vorab wichtige Telefonnummern (z.B. Rettung, Unterkünfte, etc.) notieren – für den Fall der Fälle.

Verlassen Sie die gekennzeichneten Wege nicht

Um erst gar nicht in eine brenzlige Situation zu kommen: die Wege (und mögen sie noch so schmal sein) nicht verlassen. Nicht in Versuchung kommen, die schöne Blume da vorne zu pflücken oder für das perfekte Fotomotiv da drüben auf den Felsen klettern. Alles abseits der Pfade birgt Gefahren und ein Einsatz der Bergrettung ist verdammt teuer.

Was weder neben den Pfaden noch auf den Pfaden zurückgelassen werden sollte: Müll. Wir Wanderer schleppen uns und unsere Rücksäcke hoch und runter, manchmal tagelang – da können wir ja wohl auch den Müll von Essensverpackungen o.ä. wieder mitnehmen. Ich persönlich habe immer eine Plastiktüte dabei – wenn nicht für Müll, dann spätestens für die stinkenden Socken.

Begegnungen mit den Almkühen

Und last but not least: die Almkühe sollten Sie in Regionen wandern, wo die glücklichen Almkühe grasen, so kann es sein, dass sie auch mal auf dem (schmalen) Weg stehen. Bitte nicht versuchen, die Tiere wegzuschieben. Aus eigener Erfahrung ist es oft so, dass die Kühe bei einer lauteren Unterhaltung (erhöhter Stimme, kein Geschrei) weichen. abwarten, Verhalten Sie sich ruhig und machen Sie eine Pause, um die Schönheiten der Natur bewundern.

Mein Fazit:

Das Verlassen der Komfortzone für ein Hütten – Trekking in den Bergen kann anfangs beängstigend sein. Doch genaue Planung, Flexibilität und die Vorbereitung auf Notfällen sind entscheidend für das richtige Verhalten in den Bergen. Ebenso sollte der Respekt vor der Umwelt und den Tieren stets gewahrt werden. Letztlich bieten Bergabenteuer nicht nur unvergessliche Erfahrungen, sondern auch die Möglichkeit, die Natur und sich selbst auf eine einzigartige Weise zu erleben.

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