
Von Marrakesch bis Essaouira: 10 Tage mit 2 Kindern durch Marokko
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Einmal noch so eine richtige erlebe-Reise machen, bevor unser jüngster Sohn in die Krippe kommt – das hatte ich mir sehr gewünscht. Die Wahl fiel schnell auf Marokko, denn das Land ist überhaupt nicht wie Deutschland, liegt aber praktischerweise nur vier Flugstunden entfernt. Es gibt sogar einige Direktflüge ab kleinen Flughäfen, die angenehme Flugzeiten für Familien haben und so stand auch die Route schnell fest: Von Marrakesch sollte es über Lalla Takerkoust nach Essaouira gehen – eine bunte Mischung aus der wohl bekanntesten Stadt, ein bisschen Bauernhof für die Kinder und am Ende Strand. Natürlich konnte ich es nicht lassen auch noch eine Wanderung und einen Dromedarritt mit Biwakübernachtung in das Programm mit aufzunehmen. Wie wir es als Eltern empfunden haben und was den Kindern am besten gefiel, verrate ich Ihnen in diesem Blog.

Annette 💙 von erlebe
Unerwartetes Marrakesch
Marrakesch hat uns überrascht. In der Medina wird von Fahrradfahrern und Motorrädern keine Rücksicht auf Fußgänger genommen. Wir trugen unseren fast zweijährigen Sohn also immer auf dem Arm und hielten den vierjährigen Sohn an der Hand.
Auch wenn das Sightseeing dadurch anstrengend war, waren wir froh von einem sehr gut Deutsch sprechenden Guide viel über die Städteplanung und die Hammams zu erfahren, verliefen uns dank ihm nicht ein einziges Mal, besuchten die Koranschule „Medersa Ben Youssef“ und „Le Jardin Secret“. Ohne ihn hätten wir so viele Details unterwegs nicht entdeckt oder verstanden, sodass das eine gelungene Einführung in unsere Marokkoreise war.
Unterwegs trafen wir noch andere Reisende, die von einer Stadttour zu Fahrrad schwärmten. Ihr Sohn war im gleichen Alter wie unser Kleinster und kam in einen Fahrradsitz, mit dem Vorteil, dass er nicht immer getragen werden musste.
Nicht weit von unserem Riad entfernt, am Rande der Medina nahe des Bab Tagzhout, erwarteten uns auch einige winzige Lokale, in denen wir unsere beste Rind Tajine und Zitronenhuhn Tajine (im „Zouhal“) aßen. Unser Sohn war glücklich über den Crêpes Stand „Drywich“. Wir probierten auch einmal ein Abendessen im Riad, um nicht mit müden Kindern draußen etwas suchen zu müssen.



Übernachtung in Riads
Wir übernachteten in Riads, weil wir natürlich das volle 1001-Nacht Gefühl ausleben wollten. Während die Riads wirklich wunderschön waren und tolle Dachterassen hatten, wo die Kinder sich sehr gerne aufgehalten haben, so hatte ich doch unterschätzt wie spannend so ein Wasserbecken oder Pool im Innenhof sein kann. Zudem war es im März einfach noch zu kalt, um fröhlich darin zu planschen, was die Kinder aber natürlich nicht abhielt. Im Nachhinein wäre für uns Eltern ein Riad ohne Pool entspannter gewesen.
Aber irgendwie ergaben sich dadurch auch die besonderen Momente – nämlich wie ein Zimmermädchen spontan ein Handtuch brachte, damit die Jungs auf dem glatten Boden nicht immer wegrutschten.
Es roch dabei auch immer sehr gut nach frisch gebackenen Leckereien, da die Küche direkt nebenan war. Wir hatten das Gefühl, dass das komplette Frühstück immer selbst gebacken wurde und gewöhnten uns schnell an die Kuchen, Pfannkuchen und Fladenbrote.
Meine Unterkunftstipps:
- Riad ja, Pool nein, zumindest wenn die Kinder nicht schwimmen können und der Pool nicht beheizt ist
- Zimmertyp: Unsere Kinder schlafen am liebsten mit je einem Elternteil im Doppelbett. Zwei Doppelzimmer kamen für uns nicht infrage, so sollten Zimmer mit zwei Doppelbetten gebucht werden – das scheint allerdings untypisch in Marokko zu sein, denn schon auf den Vouchern stand ein Doppelzimmer mit zwei extra Betten. Falls Hotels eher als Riads zwei Doppelbetten in einem Zimmer bieten können, wäre das für uns die bequemere Wahl gewesen.


Die Mahlzeiten
Die Kinder waren leider weniger glücklich über das Essen, aber ehrlich gesagt wird hier zu Hause auch genörgelt. Sie aßen meistens Brot mit Butter, tranken den frisch gepressten Orangensaft und manchmal den marokkanischen Tee. Beide Kinder waren fasziniert, wie der Tee ausgeschenkt wird und wollten es ständig nachahmen.
Die Kinder bekamen immer die gleiche große Portion wie die Erwachsenen. Am Anfang waren wir bemüht alles aufzuessen, damit es nicht weggeworfen werden muss, aber das kann keiner 10 Tage durchhalten. Wir hatten nirgendwo Erfolg dabei zu sagen, dass wir kein Essen für die Kinder brauchen, sondern, dass sie einfach bei uns mitessen. Sollten Ihre Kinder ebenfalls kaum etwas anrühren, lohnt es sich vielleicht einen entsprechenden Satz auf Französisch zu lernen, denn oft wussten wir nicht, ob es die Sprachbarriere war oder einfach Unverständnis. Es gibt überall kleine Läden, die Wasser und Snacks verkaufen – einer Drogerie Kinder-Snack-Abteilung kommt das aber nicht gleich. Super genutzt haben wir auch eine Tupperdose, in die wir Dinge vom Frühstück einpackten und die Kinder über den Tag verteilt aßen.
Eselsritt durch Bergdörfer
Von Marrakesch aus machten wir am zweiten Tag eine Wandertour ab Imlil. Wir fuhren circa 1,5 Stunden dorthin, wurden vom Guide empfangen und los ging die Tour. Der große Sohn ritt mit dem Tagesrucksack und Hassan auf seinem Esel, der Kleinere sollte lieber mit der Mutter reiten, sodass wir vom anderen Hassan geführt wurden. Irgendwann war unserem Kleinsten das aber zu langweilig, da er sich weniger an der Landschaft erfreute als wir, sodass er zwischendurch von Hassan getragen wurde. Die Führer hatten nämlich jede Menge Spaß mit unseren Kindern.
Generell wurden diese überall freudestrahlend begrüßt, gerne auch mal High Fives verteilt oder die roten Haare gestreichelt. Ein deutliches „Nein“ wird respektiert, aber da ist es meistens auch schon geschehen.


Trinkgeld
Auf der Tour sollten wir ohne die Esel einen Fluss überqueren – es ging über ein paar Steine und eine Art Holzleiter, der viele Sprossen fehlten. Das war Abenteuer pur, aber für uns mit Söhnen auf dem Arm nicht machbar. Unser Guide half uns, sodass wir am Wasserfall angekommen den besten Orangensaft der Reise trinken konnten. Danach ging es weiter auf den Eseln, vorbei an unzähligen Berberteppichen und bis zu Freunden unseres Guides, wo schon die nächste Tajine auf uns wartete.
Denken Sie übrigens vor einer Tour immer daran genügend Trinkgeld für alle einzupacken. Das wird in Marokko sehr ernst genommen und wir hatten oftmals Schwierigkeiten die passenden Münzen oder Scheine zusammenzusammeln – fragen Sie am besten direkt in der Wechselstube nach Scheinen von 20 bis 100 Dirham anstelle von 200 Dirham.
Transfers und Kindersitze
Auf dem Rückweg hängte unser Fahrer seinen Gebetsteppich als Sonnenschutz ins Fenster und wir hielten für den besten Espresso der Reise am Wegesrand – dort stehen zahlreiche Autos mit Kaffeemaschine im Kofferraum. Der Espresso des Kaffeenerds war mindestens so gut wie der von meinem Mann (ebenfalls Kaffeenerd) und sein Englisch war super. Die beiden verstanden sich blendend und diese kleine Erfahrung zeigte mal wieder, dass man sich auf so einer Reise doch am liebsten an die kleinen, besonderen, spontanen Momente zurückerinnert.
Der marokkanische Fahrstil unterscheidet sich definitiv von unserem deutschen und mein Mann war froh, dass er sich nicht durch den quälenden Verkehr wuseln musste, wo keine Verkehrsregeln eingehalten werden. Wer seine Kindersitze aus Deutschland mitbringen kann, dem würde ich das raten, um auf jedem Transfer einen zu haben. Ich hatte nämlich nicht daran gedacht, dass dann bei kurzen Transfers, wie bei einer Abholung zum Dromedarritt, einfach nichts vorhanden sein würde.


Entspannung pur auf der Öko-Farm
Weiter ging es dann nach Lalla Takerkoust. Wir hätten mit dem Mietwagen fahren können, aber da wir nur diesen Ort und Essaouira noch anfahren wollten, hätte der Mietwagen mehr gekostet als die Transfers. Wir entschieden uns also für die Transfer Variante.
Die nächsten zwei Tage verbrachten wir inmitten von Obstbäumen auf einer Farm. Hier konnten die Jungs endlich flitzen, es gab einen winzigen Kinderpool, wo die Sonne das Wasser tatsächlich etwas wärmte, und die Mahlzeiten wurden liebevoll zubereitet. Hier haben wir teurer gegessen, aber das Preis-Leistungsverhältnis war definitiv in Ordnung. Hier konnten wir herrlich entspannen und einfach mal die Seele baumeln lassen – der ideale Ort für einen Urlaub. Da es auch nur ca. eine Stunde von Marrakesch entfernt ist, könnte man nach Marrakesch fliegen und seine Reise sehr gut hier starten oder beenden!
Nachdem wir uns die Gärten und Tiere angeschaut hatten, hieß es am zweiten Tag: Lehmhaus bauen! Unser Großer wollte sich allerdings nicht die Hände schmutzig machen, also steckten unser Kleiner und ich bald mit beiden Händen im Matsch und bereiteten Ziegel vor. Der Große machte dann doch irgendwann mit und war am Ende sehr stolz. Für die Kinder war es die perfekte Gelegenheit Marokko „zu erleben“.
Gepäck
Unser letzer Stopp war die windige Stadt Essaouira. Diesmal kam unser Koffer tatsächlich in einen Handkarren und wurde bis zum Riad gebracht. Bei unserem Riad in Marrakesch waren wir nämlich überraschenderweise vom Rezeptionisten abgeholt worden, der uns mit dem Gepäck half. Das Riad lag herrlich untouristisch, sodass sich das Handkarren Geschäft dort wohl nicht lohnte. Den Weg zum Riad hätten wir tatsächlich auch nur mit Mühe gefunden.
Tipps zum Gepäck: Wir hatten einen Hartschalenkoffer für uns alle und zwei Rucksäcke, sowie eine Kameratasche dabei. Das bedeutete zwar nur weniger als 5kg Gepäck pro Person, aber es hat tatsächlich gereicht. Wir wurden häufig mit großen Autos für mehr als fünf Personen abgeholt, der Koffer passte also immer hinein. Für uns hat es sich als sehr praktisch erwiesen, dass wir das Gepäck zu zweit bewegen konnten – in Marrakesch hatten wir Glück, dass der Rezeptionist uns auch beim Verlassen des Riads half, da er sowieso gerade Schichtende hatte. Ansonsten hätten wir alles selber bewegen müssen und das ist mit Wasservorräten und zwei Kindern, die vor Motorrädern geschützt werden müssen, eine echte Herausforderung.


Ich packe meinen Koffer mit...
Für alle, die gerade vor einem leeren Koffer stehen, hier unsere Packliste für Marrakesch, Imlil, Lalla Takerkoust und Essaouira mit Biwak Übernachtung im März:
– Windeln und genügend Feuchttücher, Wickelunterlage
– Snacks für die Kinder (etwas mehr als sonst, da sie das marokkanische Essen vielleicht wenig anrühren)
– Mehr Langarmbodies und Langarmshirts als T-Shirts und Kurzarmbodies
– Schlafsäcke für die Kinder, falls Decken weggestrampelt werden
– 2-3 luftige Hosen (z.B. Leinenhosen für die Erwachsenen und Wolle-Seide für die Kinder), 2 Pullover, 1 Fleecejacke und genügend Unterwäsche und Socken
– Strandtuch und Sandspielzeug (wir haben keins in der Altstadt von Essaouira kaufen können)
– Taschenlampe
– Mittel gegen Durchfall; Sonnencreme, Sonnenhüte, die man festknoten kann (wer am besten gerüstet für einen Dromedarritt in Essaouira sein möchte, besorgt sich aber lieber ein ausreichend langes Tuch vor Ort)
Unser Favorit: Essaouira
Essaouira gefiel uns von allen Orten am besten. Ich wollte den Fischmarkt unbedingt ausprobieren, sodass ich meine Familie dort am letzten Tag mit hinnahm, damit ich mir einen Fisch aussuchen und grillen lassen konnte. Der Fischhändler gab den Fisch an jemanden weiter, der ihn uns grillen sollte – im Nachhinein hätten wir darauf bestehen sollen, dass wir uns selber ein Restaurant aussuchen, da wir im heruntergekommensten Restaurant saßen und der Koch beim Bezahlen auch nicht mehr anwesend war. Wir einigten uns am Ende mit einem Angestellten von nebenan auf 50 Dirham und Trinkgeld, da wir nicht weiter vergebens auf den Koch warten wollten.
Aber die Erfahrung und die Atmosphäre am Hafen waren super – es waren nur wenige Touristen dort unterwegs und mein gegrillter Red Snapper verursachte auch kein Magengrummeln. Ein kulinarisches Highlight war er mangels Gewürzen allerdings auch nicht. Insgesamt haben wir 170 Dirham bezahlt.


Aktivitäten in und um Essaouira
Wir hatten einen ganzen Tag Zeit in Essaouira für den Strand und Bummeln. Einen Nachmittag buchte ich ein Hammam mit Massage im Riad und das war wirklich eine luxuriöse Erfahrung. Keine schwarze Seife, sondern nur leckere Düfte, heißes Wasser, warme Bänke und angenehmes Schrubbeln, eine entspannende Massage und ein leckerer Tee zum Abschluss. Verlassen Sie Marokko auf keinen Fall ohne in einem Hammam gewesen zu sein!
Die Kinder wollten immer an den Strand, aber da es wirklich immer sehr windig ist reichte ein Vormittag zum Wellenhüpfen. Wer einen Mietwagen hat und es idyllischer haben möchte, der muss nur etwas an der Küste entlangfahren, die Strände werden dann immer schöner.
Biwak Übernachtung
An diesem Strand sind wir dann auch auf einem Dromedar geritten – immer ein Elternteil mit einem Kind. Unser Kleiner mochte es nicht. Er wollte nicht von mir festgehalten werden (und ich wollte ihn nicht loslassen). Somit lief ich irgendwann mit ihm auf dem Arm neben meinem Dromedar her und wurde locker abgehängt. Der starke Wind war ebenfalls nichts für meinen Sohn, sodass wir unseren Guide baten, die Tour abzukürzen und nicht drei Stunden zu reiten. Freunde von uns hatten diese Tour ebenfalls gemacht und deren Zweijährige war einfach eingeschlafen. So unterschiedlich sind Kinder nun mal.
Mit dem Auto wurden wir nach dem Ritt ins Camp gebracht. Dort erlebten wir wirklich den krönenden Abschluss unserer Reise. Wir wurden mit dem besten marokkanischem Tee der Reise und vielen verschiedenen Snacks empfangen und das Zelt bot Windschutz und Ausblick auf die Sonne in Richtung Meer. Die Kinder flitzten überall herum, während wir entspannten und mit ihnen spielten. Das war wirklich Urlaub pur.


Irgendwann kam wieder viel zu viel Abendessen und dabei brannte dann schon das Lagerfeuer, da die Kinder ganz dringend ins Bett mussten. Der Kleine schlief schon beim Essen ein. Es war gar nicht so kalt beim Einschlafen, aber gegen 5 Uhr morgens zogen wir uns noch eine Fleecejacke über unsere Klamotten. Die Schlafsäcke sind dünn, also wer leicht friert, sollte jede Menge Schichten und Wärmendes einpacken. Wider Erwarten gab es ein Porta Potti im Klozelt, sodass man nicht zusammen mit den frei laufenden Hunden ein Fleckchen für sein Geschäft suchen musste.
Nach einem leckeren Frühstück, das in der Üppigkeit keinem Riad nachstand, ging es dann zurück mit dem Auto nach Essaouira. So hatten wir dann noch fast den ganzen Tag für einen ausgedehnten Hafenbesuch und Stadtbummel, was vorher zu kurz gekommen war.
Unsere Restauranttipps in Essaouira: Die besten Crêpes aßen wir bei „JOOBA Crêpes“ und die Pizza bei „Silvestro“. Meeresfrüchte mit Live-Musik und toller Aussicht gibt es bei „Salut Maroc“. Hier ist es aber zum Sonnenuntergang brechend voll, also außerhalb der Nebensaison unbedingt reservieren!
Fazit
Marokko war alles was wir wollten – und noch viel mehr. Es war ein kompletter Tapetenwechsel und eine Reise für Entdecker. Alles was wir geplant haben, konnten wir mit unseren Söhnen machen, aber nicht alles davon stieß auf Begeisterung. Das war in Ordnung, da wir bei der Reise auch explizit Dinge geplant hatten, die wir sehen wollten, wo die Kinder dann einfach mit mussten (z.B. die Berge für meinen Mann, die Stadtführung in Marrakesch für mich). Es sollte kein Entspannungsurlaub sein und das war er auch nicht, aber wer mit Kindern reist, dem empfehle ich dann doch generell etwas weniger Programm und mindestens drei Nächte an einem Ort. Für uns war es zudem sehr erholsam nicht selber mit dem Mietwagen unterwegs sein zu müssen.
Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer, daher hier meine gut gemeinten Ratschläge für Ihre Reise:
- Überlegen welche Unterkunft für die Familie wirklich praktisch und nicht nur schön ist
- Für alle die Koriander nicht mögen: Auf Französisch lernen, wie man das ausdrückt
- Kindersitze mitnehmen, wenn man auf jedem Transfer einen Kindersitz haben möchte
Ich hoffe, dass ich Ihnen einige praktische Tipps für Ihre Familienreise mit auf den Weg geben konnte. Als Familie wird man in Marokko sehr freundlich empfangen, probieren Sie es unbedingt aus!
