
Unterwegs im Dschungel Ecuadors
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Auch wenn die meisten Menschen eine Ecuador Reise mit den Anden und Galapagosinseln verbinden, gibt es doch mehr in diesem kleinen südamerikanischen Land zu entdecken. Im ecuadorianischen Dschungel gibt es zum Beispiel viele Möglichkeiten exotische Tiere zu beobachten. Dafür bieten sich Tena (am Rand des Dschungels) und das Cuyabeno Reservat (tief im Amazonasgebiet) an.

Annette 💚 von erlebe


Willkommen am Rand des Dschungels
Ich stehe vor einer schwierigen Entscheidung: Ich möchte gerne in kurzer Zeit so viel wie möglich von Ecuador sehen und weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Freunde geben mir den Tipp den Bus nach Tena zu nehmen. Von Quito kommt man in circa vier bis fünf Stunden dorthin. Wer es bequemer haben will, entspannt vorher in den Quellen von Papallacta und lässt sich dann dorthin fahren.
Es gibt eine Vielzahl von Lodges, die unweit von Tena Aufenthalte für jeden Geldbeutel anbieten. Einige sind mit dem Auto zu erreichen, andere nur per Kanu. Manche haben Strom, andere nur Öllampen und um 18 Uhr wird es so schlagartig dunkel, dass es gut ist eine Taschenlampe dabei zu haben.
Auf dem Weg zur eigenen Holzhütte begleiten uns Froschgesänge. Die schweren Blätter der üppigen Vegetation streifen unsere Schultern. Meine mitreisende Freundin warnt mich plötzlich und ich bleibe verunsichert stehen. Liegt vor mir etwa eine riesige Schlange? Im Gegenteil – es hat sich nur ein großer Nachtfalter auf meine leuchtend rote Regenjacke gesetzt und sie wollte ihn fotografieren. Kein Grund mich so zu erschrecken!
Die nächsten Tage verbringen wir mit einer kleinen Gruppe bunt zusammengewürfelter Reisender. Wohin die Ausflüge gehen, wird je nach Wetter und Gruppengröße vor Ort spontan entschieden. Oftmals gehört ein Besuch einer indigenen Gemeinschaft dazu. Ich lausche den Erklärungen der Frauen, die aus Pflanzensamen schönen Schmuck herstellen und zusammen mit einer einheimischen Frau bereite ich das Getränk „Chicha“ zu. Auch Wanderungen und Spaziergänge oder traditioneller Fischfang können hier ausprobiert werden.
An einem Abend gibt es eine Tanzvorführung und den Ecuadorianern zuliebe lasse ich mich mit auf die Sandbank ziehen. Im Schein einiger Lampen und zum Funkeln der Sterne tanze ich dort zu Quichua Musik und es fühlt sich tatsächlich fantastisch an.


Wir sind natürlich nicht nur zum Tanzen hier. Uns wird beigebracht, wie wir mit einem Blasrohr und Pfeil jagen gehen könnten. Danach steht es uns offen, ob wir in Gummiringen den Fluss hinab treiben möchten, oder wieder ins Kanu steigen. Wir besuchen auch die Auffangstation ‚Amazoonico‘. Hier werden Tiere, die illegal gehalten wurden, wieder aufgepäppelt und im besten Falle ausgewildert. Es ist die beste Gelegenheit auch größere Dschungelbewohner hier am Rand des Dschungels zu sehen. Natürlich ist es weniger authentisch. Mir kam es aber auch nicht wie ein Zoobesuch in Deutschland vor. Ich bin froh, dass diese Tiere hier eine zweite Chance bekommen. Der Tourist in mir versucht das Äffchen auf dem Baum über uns abzulichten – keine Chance. Mein Zoom lässt zu wünschen übrig und ich bin einfach zu langsam. Also auf geht’s und weitersuchen.
Wirklich spannend war auch die zusätzlich angebotene Nachtwanderung. Unser Guide hat zufällig eine wirklich große, hässliche und sehr haarige Spinne an unserem Treffpunkt gefunden. Er erklärt, dass er das Gift abgemolken hat und, dass einer von uns die Spinne auch gerne halten könnte. Meine Freundinnen weichen sofort einen Schritt zurück. Im Nachhinein frage ich mich, wo dieses Vertrauen in meinen Guide herkam. Vielleicht war die Spinne ja nach wie vor giftig! Und selbst wenn nicht, war sie immer noch riesig. Aber wer weiß wann ich wiederkomme. Also beschließe ich mutig zu sein und lasse mir die Spinne auf meinen Arm setzen. Die rote Regenjacke bietet schließlich auch noch einen guten Schutz. Die Spinne kriecht gemächlich meinen Arm hinauf und ich denke nur: atmen, lächeln und schnell den Guide bitten das Ding doch wieder runterzunehmen. Ganz geheuer sind Spinnen mir dann doch nicht.
Auch wenn wir auf der Nachtwanderung keine große Strecke zurücklegen, fühlt es sich an wie eine Ewigkeit. Wir schleichen, jeder mit einer Taschenlampe bewaffnet, durch das grüne Dickicht und finden noch mehr Spinnen, Frösche und einen Kaiman. Den habe ich erst gesehen, als er wie aus der Pistole geschossen aus dem Wasser gesprungen kam. Ich glaube er war nicht so begeistert von unserer Anwesenheit und hat sich mindestens genauso erschrocken wie wir.


Tief in den Dschungel eintauchen
Nachdem der Aufenthalt in Tena mir Lust auf mehr gemacht hat, geht es nun mit einem komfortablen Nachtbus tiefer in den Dschungel – ins Cuyabeno Reservat. Am Bootsanleger gibt es ein Restaurant und einen kleinen Aufenthaltsraum, wo viele Reisende sitzen. Daran angeschlossen ist auch ein kleiner Tresen, wo schnell noch Mückenspray gekauft werden kann.
Mit dem Motor-Kanu sind wir noch circa zwei weitere Stunden auf dem Fluss unterwegs, aber ab hier macht die Anreise wirklich Spaß. Unser Guide hat Adleraugen und macht uns immer wieder auf Tiere aufmerksam. Wir sehen Vögel, Affen und die ein oder andere Schlange, die sich auf den niedrig hängenden Ästen knapp oberhalb der Wassergrenze räkelt.
Auch hier übernachten wir in kleinen Holzhütten, die entweder Mückennetze über den Betten oder eingelassene Insektenschutzgitter in den Holzwänden haben. Beim Zähneputzen gucke ich direkt in den grünen Wald, hier gibt es gar kein Fenster und auch kein Mückennetz, ich fühle mich fast wie mitten im Dschungel. Das Wasser läuft mir lauwarm den Rücken runter und sobald ich höre, dass meine Zimmernachbarn ebenfalls duschen wollen, stelle ich das Wasser ab, bevor es zu einem Rinnsal wird.
Hätte ich gewusst, dass wir gleich mitten im Dschungel ins Wasser springen, wäre ich gar nicht erst duschen gegangen. Hier gibt es nämlich die Laguna Grande. Zur Trockenzeit kann es sogar vorkommen, dass diese kein Wasser mehr führt. Momentan finde ich das unvorstellbar. An einigen Stellen ragen Baumkronen heraus und ich sehe nichts als Wasser weit und breit. Hier sollen wir jetzt also einfach so vom Kanu hüpfen. Die Idee ist schon verlockend, aber ein Restzweifel bleibt. Das Bild der Schlange auf dem Ast habe ich noch gut im Kopf. Aber hier ist es anscheinend so tief, dass wirklich keine Tiere ankommen und an uns knabbern werden.
Also, nur Mut und platsch – ich bin drin. Und es ist herrlich. Die Sonne färbt den Himmel rosa und die Zurückgebliebenen auf dem Boot fangen den Sonnenuntergang mit ihrer Kamera ein.


Die Tage im Cuyabeno Reservat vergehen wie im Flug. Meine Gruppe ist klasse, wir verstehen uns alle sehr gut. Da es schon ab 5 Uhr anfängt hell zu werden, trifft man den ein oder anderen auch schon vor dem Frühstück am Bootsanleger und kann sich austauschen.
Wir gehen jeden Tag auf Tiersuche und bestaunen diverse Tierarten, hauptsächlich Affen und Vögel. Mein persönliches Highlight sind die rosa Flussdelfine, die hier vorkommen, aber meistens nur sehr kurz aus dem Wasser auftauchen. Ich bin froh, dass wir so einen kompetenten Guide an unserer Seite haben. Wir Reisenden sind allesamt Nieten was das Aufspüren von Tieren angeht. Man könnte meinen, ich habe in Tena gar nichts gelernt. Immerhin stellen wir uns beim Besuch der indigenen Gemeinschaft ganz gut an. Wir bereiten nämlich unter fachmännischer Anleitung eine Tortilla aus der Yucca Wurzel vor. Mmh, schmeckt das gut!
Generell finde ich das Essen im Dschungel köstlich. Es gibt immer frische Früchte und Saft und selbst die Vegetarier kommen auf ihre Kosten. Viele der Angestellten kommen aus den umliegenden Gemeinschaften und übernehmen verschiedene Aufgaben.
Einige mutige Helfer baden abends im Fluss. Hier gibt es doch aber Krokodile, oder? Ich dachte nur das Schwimmen in der Laguna Grande sei sicher. Ich bleibe diesmal lieber auf den sicheren Holzplanken sitzen und beobachte das Spektakel. Je dunkler es wird, desto mehr Glühwürmchen erhellen die Nacht. Mit dem Grillenzirpen im Ohr denke ich, was für ein fantastischer Ort dies eigentlich ist, und wie froh ich bin ihn kennen lernen zu dürfen.
Fahren Sie unbedingt in den Dschungel!
Während Tena und Cuyabeno ähnliche, aber dennoch unterschiedlich intensive Erlebnisse im Dschungel Ecuadors bieten, steht für mich fest: Der Dschungel ist eins der absoluten Highlights jeder Ecuadorreise. Er hat mir so gut gefallen, dass ich auf jeder meiner Ecuadorreisen dorthin zurückkehre und mich erneut verzaubern lasse.
Wer die Zeit mitbringt und die weite Anreise nicht scheut, sollte unbedingt das Cuyabeno Reservat besuchen. Für alle anderen bieten die Lodges bei Tena einen wunderschönen Ausgangsort, um den Regenwald und seine Bewohner kennenzulernen.
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