
Trekking auf den Acatenango Vulkan in Guatemala
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Zwei Tage zwischen Wolkenwald, Vulkansand und glühender Lava
Erleberin Linda hat sich auf ihrer Lateinamerikareise hoch hinauf auf den Acatenango Vulkan gewagt. Ihre Erfahrungen teilt Sie mit Ihnen in diesem Blog.

Linda 💚 von erlebe

Das Abenteuer beginnt
Früh am Morgen beginnt für uns das Abenteuer: Es geht hinauf auf den Acatenango Vulkan. Um 6:45 Uhr treffen wir uns in einem Hostel in Antigua, das die Tour organisiert. Nach einer kurzen Einweisung leihen wir uns noch die letzte Ausrüstung aus. Neben Rucksack, Mütze und Schal kann man sich für ein paar Quetzales auch warme Jacken oder Wanderschuhe ausleihen. Warme Kleidung ist bei der Wanderung unverzichtbar, denn in den oberen Lagen sinken die Temperaturen bis an den Gefrierpunkt. Außerdem erhalten wir vier Liter Wasser, sowie ein Lunchpaket, das es auch vegetarisch, vegan oder glutenfrei gibt.
Nach einem entspannten Pancake-Frühstück, bei dem wir bereits die ersten Mitreisenden kennenlernen, fahren wir mit dem Bus zum Startpunkt der Wanderung. Ab hier heißt es: Fokus, Ausdauer – und sich auf eines der eindrucksvollsten Naturerlebnisse Guatemalas einlassen.
Der Weg nach oben
Am Ausgangspunkt nutzen wir ein letztes Mal fließendes Wasser und Toilettenpapier – danach lassen wir den gewohnten Komfort hinter uns. Vor dem Start leihen wir uns Stirnlampe und Wanderstöcke. Eine Entscheidung, die sich schon wenig später als sinnvolle Investition herausstellt. Wer möchte, kann zusätzlich einen Träger für den eigenen Rucksack buchen und so etwas Kraft sparen.
Gegen 10:30 Uhr beginnen wir mit den Guides den mühsamen Aufstieg. Von Anfang an geht es stetig und steil bergauf. Flache Passagen sind bei dem ganzen Aufstieg eher eine Ausnahme. Bereits nach den ersten Metern kommen wir ins Schwitzen. Schnell merken wir: Diese Wanderung gehört zu den anstrengendsten, die wir bisher gemacht haben und fordert Kondition und Konzentration. Die Wanderstöcke helfen uns enorm – und das, obwohl wir vorher noch nie mit Stöcken unterwegs waren.
Die Gruppe ist größer als erwartet, doch dank mehrerer Guides kann jeder sein eigenes Tempo gehen. Regelmäßige Stopps sorgen dafür, dass wir zusammenbleiben. Etwa alle 30 Minuten legen wir kurze Pausen ein, auf halber Strecke gönnen wir uns eine längere Rast. Jetzt kommt das Lunchpaket genau richtig: ein Wrap, ein Apfel und ein Snack. Die Gruppe ist bunt gemischt, sowohl vom Alter, als auch von der Herkunft – und genau das macht die Stimmung so angenehm und gemeinschaftlich.


Landschaft im Wandel
Zu Beginn des Aufstieges laufen wir durch dichten, grünen Wolkenwald. Farne, Kiefern, Eichen und sogar Orchideen begleiten unseren Weg. Mit jedem Höhenmeter verändert sich die Landschaft. Die Vegetation wird niedriger, karger, bis schließlich fast nur noch schwarzer Vulkansand bleibt, durchbrochen von einzelnen, widerstandsfähigen Pflanzen. Die Umgebung wirkt rau und mystisch und gleichzeitig ist sie unglaublich schön!
Bei dem Aufstieg begleitet uns Regen und Nebel. Viele Pflanzen und Blumen, gerade auf den höheren Ebenen, nehmen wir erst am nächsten Tag richtig wahr. Immer wieder hören wir ein tiefes Donnern und denken zunächst an ein aufziehendes Gewitter. Erst oben im Base Camp wird uns klar: Das Grollen stammt vom benachbarten Vulkan Fuego, der regelmäßig Lava und Asche ausstößt.
Gegen 15:30 Uhr erreichen wir das Base Camp und wir geben alle einen Liter unseres getragenen Wassers zum Kochen ab. Die Guides bereiten zur Stärkung eine einfache Brühsuppe zu – gekocht mit dem Wasser, das wir selbst hochgetragen haben. Nach dem langen Aufstieg und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt fühlt sich diese warme Suppe einfach perfekt an.
Glühende Nacht am Vulkan
Schon am Nachmittag beobachten wir die ersten Ausbrüche des Fuego, die bei Tageslicht noch vergleichsweise unscheinbar wirken. Doch mit Einbruch der Dunkelheit ändert sich alles: Glühende Lava wird sichtbar, das Grollen des Vulkans ist allgegenwärtig – ein Moment, der uns sofort in seinen Bann zieht.
Optional könnten wir von hier aus noch eine rund vierstündige Wanderung näher an den aktiven Vulkan heran unternehmen. Aufgrund des Wetters und der bereits sehr fordernden Tour entscheiden wir uns dagegen. Und trotzdem werden wir reich belohnt. Die Wolken ziehen weg und der Vulkan Fuego ist klar sichtbar. So erleben wir vom Camp aus mehrere eindrucksvolle Ausbrüche, spektakuläre Ausblicke und perfekte Fotomotive.


Die Nacht im Base Camp
Am Abend entzünden die Guides ein Lagerfeuer, das nicht nur wärmt, sondern auch eine ganz besondere Atmosphäre schafft. Dazu genießen wir ein einfaches, aber wohltuendes Abendessen mit Hühnchen, Kartoffeln und Gemüse (bzw. die vegetarische Variante), sowie heißen Kakao. Während die Dunkelheit hereinbricht, zeigt sich der Fuego von seiner spektakulärsten Seite – ein Naturschauspiel, das wir so schnell nicht vergessen werden.
Wir übernachten in der komfortableren „VIP“-Unterkunft mit nur sechs Personen. Große Fenster geben den Blick direkt auf den Fuego frei. In der Nacht wird es kalt, doch mit Schlafsack, zusätzlicher Decke und warmer Kleidung ist es gut auszuhalten.
Der Vulkan bleibt präsent: Sein leises Donnern begleitet unseren Schlaf, und mehr als einmal schauen wir aus dem Fenster, um die nächtlichen Eruptionen zu bestaunen.
Tag 2: Gipfel, Kälte und große Weite
Um 4 Uhr klingelt der Wecker. Nur zwanzig Minuten später machen wir uns auf zum Gipfel – rechtzeitig für den Sonnenaufgang. Die letzten anderthalb Stunden haben es noch einmal in sich. Die Luft ist auf knapp 4.000 Metern dünner, der Untergrund sandig und die Nacht war kurz. Denjenigen, die am Vortag zusätzlich zum Fuego gewandert sind, merkt man die Extra-Belastung an.
Auch wenn sich der Sonnenaufgang an diesem Morgen nur zaghaft zeigt und man keine gute Sicht auf den Acatenango hat, bereuen wir keinen einzigen Schritt. Die Stimmung, die Weite und das Gefühl, ganz oben angekommen zu sein, sind jede Anstrengung wert. Genauso beeindruckt uns die Landschaft aus reinem Vulkansand ohne Vegetation am Gipfel.
Zurück im Camp wartet ein einfaches Frühstück auf uns: Porridge sowie Bananen- oder Orangenbrot – genau die richtige Stärkung für den Abstieg. Dieser fordert vor allem unsere Knie, und erneut zeigen die Wanderstöcke wie wertvoll sie sind. Nach etwa drei Stunden erreichen wir den Ausgangspunkt der Wanderung, fahren zurück ins Hostel und geben gegen Mittag die geliehene Ausrüstung ab.

Fazit
Insgesamt legen wir rund 18 Kilometer zurück. Wer zusätzlich zum Vulkan Fuego wandert, kommt auf etwa sieben Kilometer mehr. Diese Tour ist anstrengend, kalt und schweißtreibend – und genau deshalb so besonders. Wer gut vorbereitet ist, sich auf einfache Bedingungen einlässt und Lust auf ein echtes Abenteuer hat, wird mit einzigartigen Naturerlebnissen belohnt.
Der Acatenango ist kein Spaziergang, sondern eine echte Herausforderung. Eine, die uns lange im Kopf bleibt – und im Herzen. Ein intensives Erlebnis in Guatemala, das eindrucksvoll zeigt, wie kraftvoll und faszinierend Natur sein kann.

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